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 01.03.2016

Eurosport

Fabian Herbers im MLS-Interview: "Freue mich riesig auf Andrea Pirlo"

 

Auf dem College lief es in der letzten Saison richtig gut für dich. 15 Tore und 17 Assists sind starke Werte. Gab es neben den USA auch Angebote aus Europa?

Herbers: Aus Europa gab es keine Interessenten. In Europa wird wenig auf das College-System in den USA geschaut. Ich hatte das Angebot aus der MLS und einige weitere Interessenten aus Amerika aus der NASL. Die Angebote waren lukrativ, aber ich wollte den Schritt in die erste Profiliga MLS wagen, was ja auch geklappt hat.

 

Stand eine Rückkehr nach Europa überhaupt zur Debatte oder war der MLS-Plan nach deinem Umzug in die USA unumstößlich?

Herbers: Wenn es Interessenten gegeben hätte, hätte ich mir das natürlich angeschaut und wohl die Vor- und Nachteile miteinander abgewogen. Ich denke aber, dass die Chancen nach einer guten College-Saison, in der ich richtig auf mich aufmerksam gemacht habe und die MLS auch auf mich aufmerksam geworden ist, hier am größten für mich sind. Vom Gehalt und auch von meinem Namen her, den ich mir in Amerika gemacht habe. Das wäre in Deutschland oder wo auch immer in Europa anders gewesen. Da wäre ich nur irgendein College-Spieler gewesen.

Die Scouts europäischer Vereine schauen gar nicht auf den amerikanischen College-Fußball.

 

Würdest du das so sagen?

Herbers: Die Vereine suchen natürlich die Leute in ihren eigenen Reihen, was auch absolut Sinn macht. Die Jugendarbeit in deutschen Vereinen, das schon überragend. Alles ist sehr professionell. Die ganzen Akademien in München, Dortmund oder auf Schalke. Deswegen sucht man verständlicherweise nicht gerade in einem amerikanischen College nach neuen Spielern.

In der kommenden Saison spielst du nun also in der MLS für Philadelphia Union.

 

Wie hat sich der Tag des Drafts für dich abgespielt?

Herbers: Es war schon sehr verrückt. Man weiß vorher überhaupt nicht, wo man im Endeffekt hinkommen wird. Es kann wirklich jeder Verein sein, ob Kanada, Florida oder Kalifornien. Ich war schon sehr, sehr nervös. Mein größter Wunsch war es, zu einem Verein zu kommen, wo die Möglichkeiten groß sind, dass ich auch spiele. Ich wollte zum Beispiel nicht so gerne zu den Clubs mit vielen Stars, da die Wahrscheinlichkeit dort Spielzeit zu bekommen relativ gering ist. Mit Philadelphia Union habe ich ein tolles Los erwischt, wo ich gute Chancen habe viele Spieleminuten zu bekommen. Es war ehrlich gesagt auch eines meiner Favoriten-Teams. Als ich dann an sechster Stelle gezogen wurde, musste ich direkt aufs Podium und eine kurze Dankesrede halten. Man bekommt sofort den Schal des Vereins umgehängt. Dann folgen unzählige Interviews mit verschiedenen Medien. Später bin ich dann mit den anderen deutschen Jungs, Timo Pitter und Julian Büscher, noch ein letztes Mal losgezogen. Das war schon in Ordnung.

 

Fabian Herbers erzzielt ein Tor
 

Du bist jetzt etwas mehr als zweieinhalb Jahre in den USA. Gibt es etwas, an das du dich nicht gewöhnen kannst?

Fabian Herbers: Ich habe im Sommer 2013 am College in Omaha angefangen. Die erste Zeit war schon schwierig. Neue Sprache und neues Umfeld – das benötigt schon einige Umgewöhnungszeit. Ich bin auch das erste Mal weg von meiner Familie. Aber ich bin ein Mensch, der sich recht schnell an solche Sachen gewöhnt. Wenn ich mir etwas aussuchen müsste, an das ich mich nicht gewöhnen kann, dann wahrscheinlich, dass ich meine Familie nicht um mich herum habe. Ich vermisse sie hier und da natürlich schon ein bisschen. Aber das ist Ok.

 

Warum hast du dich überhaupt für den "American Way" (Student-Athlete) entschieden?

Herbers: In Deutschland hatte ich ein Angebot aus der Regionalliga, hätte U23 spielen können. Dann fällt es jedoch schwer, gleichzeitig zu studieren. Jeden Tag wird trainiert, manchmal auch mehrmals. Das ist dann oft nicht vereinbar mit den Stundenplänen an der Uni. Mein Abitur war fertig, ich wollte Studieren - aber ich wollte eben gleichzeitig auch Fußball spielen und das auf hohem Niveau. Dann habe ich von der Möglichkeit in den Staaten gehört. Eine Agentur aus Münster hat mir dann geholfen, Kontakt zu amerikanischen Universitäten herzustellen. Zum Glück habe ich dann eine gute Uni erwischt und konnte dort eben Fußball spielen und gleichzeitig studieren. Meinen Abschluss habe ich zwar noch nicht, ich bin aber weit fortgeschritten.

 

Das amerikanische Profisportsystem ist mit dem deutschen nicht zu vergleichen- Stichwort: Vereinskultur. Schule, Studium und der Sport sind eng miteinander verknüpft. Wie hast du diese Symbiose erlebt?

Herbers: Ich sehe das sehr positiv. Es gibt viele Leute, die in Deutschland in der dritten oder vierten Liga kicken, dafür ihre Bildung aber sausen lassen. Mit 35 oder 36 ist es dann vorbei und dann wissen sie nicht mehr, was sie machen sollen. In Amerika kann man gleichzeitig studieren. Wenn man es nicht zum Profi schafft, hat man immerhin einen guten Abschluss. Was den Alltag angeht: Es war schon stressig. Morgens ging es manchmal um 6:00 Uhr in den Kraftraum zum "Lifting", dann weiter zur Uni. Mittags ein kurzes Mittagsschläfchen und um 15:30 Uhr zum Training. Abends standen Hausaufgaben oder Lernen für das Examen am nächsten Tag auf dem Programm. Student-Athlete zu sein, ist schon ein Fulltime-Job, aber es hat eben viele Vorteile. Man kann seine Leidenschaft ausleben und gleichzeitig etwas Gutes für sich selbst tun, weil man in die Bildung investiert.

 

Big EAST Player Of The Year – wie stolz bist du auf diese Auszeichnung und glaubst du, die Erwartungen in der MLS, die dadurch hoch hängen, erfüllen zu können?

Herbers: Ich trainiere jetzt schon seit eineinhalb Monaten in Philadelphia mit. Wir haben auch schon gegen ein paar MLS-Teams gespielt. Gegen New York Red Bull habe ich 60 Minuten als alleiniger Stürmer gespielt. Die Erwartungen sind schon hoch, vom kompletten Trainerstab. Das ist klar, wenn man hoch gedraftet worden ist. Niemand will einen Spieler verpflichten, der dann schlussendlich kaum im Kader ist. Das Niveau ist angehoben, im Vergleich zur College-Liga, aber es ist jetzt kein Niveau, bei dem ich sagen würde: "Hier kann ich nicht mithalten, alle sind viel zu schnell für mich und ich verliere jeden Ball." Ich kann mich sehr schnell anpassen und habe gute Chancen, im Laufe der Saison Spielzeit zu bekommen.

 

Rein nach Gefühl – mit welcher deutschen Liga kann man das Niveau in der MLS vergleichen?

Herbers: Einige Top-Teams könnten vielleicht sogar in der Bundesliga mithalten. Generell ist das Niveau aber eher mit dem in der 2. Liga zu vergleichen. Ein paar schwächere Teams sind vielleicht auf dem Niveau der 3. Liga. So würde ich es einschätzen. 100-prozentig sicher kann ich es aber nicht sagen. Wenn man deutsche Vereine gegen MLS-Teams spielen lassen würde, kann in einem Spiel immer alles passieren.

 

Von Ahaus (ca. 38.000 Einwohner) nach Omaha (ca. 500.000) – das war schon ein großer Unterschied. Jetzt bist du in Philadelphia (1.500.000), der fünftgrößten Stadt der USA. Worauf freust du dich am meisten in der neuen Heimat?

Herbers: Vorneweg ist es erstmal gut, in einer richtigen Großstadt zu sein. 500.000 Einwohner ist für deutsche Verhältnisse viel. Dortmund zum Beispiel ist auch eine Großstadt mit ähnlicher Einwohnerzahl. In Amerika sind 500.000 Einwohner jedoch fast nichts. Die meisten Städte sind viel größer. Omaha war daher eher ländlich, sehr angenehm – keine riesen Stadt eben. Jetzt freue ich mich darauf, das wirkliche Großstadtleben kennenzulernen. Mein Appartement habe ich schon reserviert. Ich wohne dann nah an der City, wo man das Leben in der Downtown richtig erleben kann. Das wird bestimmt eine schöne Erfahrung.

 

Viele alternde Weltstars gehen in den letzten Karrierejahren das Abenteuer MLS ein. Andrea Pirlo, Frank Lampard, Didier Drogba oder Steven Gerrard. Auf das Duell mit wem freust du dich am meisten?

Herbers: Pirlo! Er ist einfach eine Legende. Seine Übersicht, seine Technik, seine Passgenauigkeit. Das ist unglaublich. Ich habe es immer geliebt, ihm zuzuschauen wenn er bei Juventus Turin oder in der italienischen Nationalmannschaft gespielt hat. Wie er das Spiel lenkt, das ist großartig zu sehen. Von klein auf habe ich ihn immer im Fernsehen gesehen und jetzt kann ich gegen ihn spielen – das ist schon ein unglaubliches Gefühl. Ich freue mich riesig darauf.

 

Andrea Pirlo con los New York City
 

Soccer ist in den USA im Kommen, trotzdem noch weit entfernt von den Volkssportarten Football, Baseball, Basketball und Eishockey. Wie nimmst du das wahr?

Herbers: Das stimmt. Eishockey, Basketball, Baseball und Football sind noch immer die vier Hauptsportarten hier. Soccer ist dann auf dem fünften Rang würde ich sagen. Aber auf dem aufsteigenden Ast. Gerade nach der WM 2014, wo das US-Team eine ordentliche Leistung abgeliefert hat, gab es einen Hype und das hat man auch in der College-Saison gemerkt. Wir hatten dann plötzlich zwischen 3.000 und 4.000 Zuschauer im Schnitt. Das war natürlich schon grandios für uns College-Spieler. Viele Leute interessieren sich mittlerweile mehr für Soccer, die Kinder fangen früh an selber zu spielen. Fußball ist im Kommen – das merkt man. Hinzu kommt, dass die Amerikaner generell super im Marketing sind. Sie können Sachen schnell interessant für die Masse machen. Mit jedem Superstar, der in die MLS wechselt, wird das Produkt besser. Ich glaube, sie sind auf einem guten Weg, den Soccer nach vorne zu bringen. Das Ziel der MLS ist es, 2021 eine der fünf stärksten Ligen der Welt zu sein. Mit dem ganzen Geld, das dahinter steckt, gibt es da viele Möglichkeiten.

 

In deinem Team spielt mit Tranquillo Barnetta ein alter Bekannter aus der Bundesliga. Hattest du schon Kontakt zu ihm?

Herbers: Ja, klar! Wir trainieren jetzt schon seit eineinhalb Monaten zusammen. Dass er fließend Deutsch spricht, ist natürlich toll für mich. Man hat jemanden, mit dem man auch in seiner Muttersprache reden kann. Er ist ein super Typ, kein bisschen arrogant, wie man vielleicht denken könnte. Schließlich hat er schon Bundesliga oder Weltmeisterschaften gespielt. Aber das ist überhaupt nicht so. Er ist ein spitzen Typ, der sehr lustig ist. Ich komme sehr gut mit ihm klar.

 

Ist der Schnauzbart denn wieder ab bei ihm?

Herbers (lacht): Ja, er hat jetzt einen Vollbart jetzt.

 

Tranquillo Barnetta (Philadelphia Union)
 

Philadelphia war im letzten Jahr mit 37 Punkten das zweitschlechteste Team der MLS. Allerdings ist die Franchise mit fünf Jahren auch noch jung. Was könnt ihr in der nächsten Saison reißen?

Herbers: Wir haben dieses Jahr ein gutes Team, haben uns bestens verstärkt im Gegensatz zum letzten Jahr. Unser Ziel ist es, in die Play-offs zu kommen. Das bedeutet mindestens Platz sechs von zehn. In den Play-offs selbst ist dann alles möglich. Es sind ja K.o.-Spiele. Wir hatten schon ein paar Testspiele gegen D.C. United, New York Red Bull und auch gegen Chicago Fire, wo wir gut ausgesehen haben. Ich denke, die Play-offs sind durchaus realistisch für uns.

 

Gibt es ein Team in Deutschland, dem du die Daumen drückst?

Herbers: Seit meiner Kindheit war ich immer ein großer Dortmund-Fan. Ich war damals oft im Stadion mit meinem Vater oder auch mit dem BVB-Fanclub. Ich bin immer gerne dort hin gegangen. Das Stadion ist großartig, der Verein hat eine riesen Tradition. Ich verfolge natürlich auch heute die Spiele noch regelmäßig, schaue mir die Highlights an wenn es geht. Dortmund war immer mein Verein, aber auch Liverpool mit Jürgen Klopp verfolge ich immer mehr.

 

Dein erstes MLS-Spiel ist am 6. März gegen den FC Dallas. Wird die Familie dann im Stadion sein?

Herbers: Nein, zum Dallas-Spiel noch nicht. Mein Vater kommt im April rüber, um sich ein Bild von Philadelphia und dem Stadion zu machen. Er wird sich dann auch ein Spiel angucken. Im Sommer kommen dann beide Elternteile und gönnen sich einen etwas längeren Urlaub. Sie bleiben dann knapp zwei Wochen und werden sich möglichst viele Spiele anschauen - und natürlich auch ihren Sohn supporten (lacht).

 

Von Mark Hlusiak